Canyoning auf São Miguel: Abenteuer in der Ribeira dos Caldeirões

Canyoning auf São Miguel: Abenteuer in der Ribeira dos Caldeirões

Tipps & Informationen für deine Tour

Canyoning in der Ribeira dos Caldeirões verbindet echtes Abenteuer mit atemberaubender Natur. In einer dschungelartigen Landschaft wird von Felsen gesprungen, gerutscht und sich an Wasserfällen abgeseilt.

Mit einem breiten Grinsen stehe ich auf einem sechs Meter hohen Felsen. Der Wasserfall neben mir rauscht in das dunkelgrüne glitzernde Wasserbecken, in das ich gleich hineinspringen werde. Ich erinnere mich, wie ich ein paar Tage zuvor noch auf der gegenüberliegenden Seite stand und genau diesen Ort fotografiert habe.

Diese Canyoning-Tour auf São Miguel mache ich nun zum zweiten Mal, aber der sechs-Meter-Sprung ist neu – genau wie die Reaktion meines Körpers kurz vor dem Sprung. Ich spüre ein freudiges Kribbeln im Bauch und empfinde mehr Vorfreude als Nervosität.

"Canyoning: Der erste Sprung, das erste Rutschen über glatte Felsen, das Abseilen an Wasserfällen – all das ist jedes Mal aufs Neue aufregend für mich und ich habe großen Spaß daran."

Canyoning-Touren sind für mich Abenteuer, Spaß und Naturerlebnisse. Der erste Sprung, das erste Rutschen über glatte Felsen, das Abseilen an Wasserfällen – all das ist für mich jedes Mal aufs Neue aufregend. Im letzten Jahr hatte ich leider keine Gelegenheit, an einer Tour teilzunehmen, deshalb habe ich mich erneut für die Einsteiger-Tour entschieden.

Die letzte Tour war aufregend, abenteuerlich und mit viel Spaß verbunden. Außerdem ist die Schlucht atemberaubend schön. Doch es regnete ununterbrochen, es war schwül und der Weg zur Einstiegsstelle war für mich teilweise anstrengend.

Meine heutige Tour beginnt schon um 9:00 Uhr und nicht wie damals um 13 Uhr. Ich bin ein bisschen aufgeregt und neugierig, ob ich die Tour diesmal anders erleben werde als im September 2023.

Wo die Canyoning-Tour auf São Miguel stattfindet

Im Nordosten der Insel ist der wunderschöne Parque Natural da Ribeira dos Caldeirões. Die grüne Schlucht, die alten Wassermühlen und die rauschenden Wasserfälle sind ein echtes Naturparadies und eine beliebte Sehenswürdigkeit auf São Miguel. In dieser beeindruckenden Landschaft findet die Canyoning-Tour statt.

Begleitpersonen, die nicht an der Canyoning-Tour teilnehmen, können bei Spaziergängen die Wassermühlen, Wasserfälle und die grüne Schlucht mit blühenden Hortensien erkunden. Verschiedene Aussichtspunkte und der Picknickbereich laden zum Erkunden und Entspannen in dieser traumhaften Umgebung ein – während andere das Abenteuer suchen.

So erreichst du den Naturpark Ribeira dos Caldeirões

Mit dem Auto dauert die Fahrt ab Ponta Delgada etwa 45 Minuten. Direkt am Eingang des Parque Natural da Ribeira dos Caldeirões gibt es kostenlose Parkplätze (Stand 06/2025). Sollte dort alles belegt sein, folge einfach der Rechtskurve den Hügel hinauf für weitere Parkmöglichkeiten.

Gut zu wissen

Der Anbieter dieser Tour – Fun Activities – bietet ab Ponta Delgada einen Shuttle-Service für 15 € + MwSt. pro Person (Hin- und Rückfahrt) an. Genau diesen Service habe ich dieses Mal genutzt und während der Fahrt auch ein amerikanisches Pärchen kennengelernt.

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Das erwartet dich bei dieser Canyoning-Tour

Canyoning ist eine Outdoor-Aktivität, die in einer wasserführenden Schlucht – einem sogenannten Canyon – stattfindet. Touren finden bei Sonne und Regen statt: nass wird man sowieso.

Mit zwei erfahrenen Guides und spezieller Kletterausrüstung wird unsere Gruppe den Canyon Ribeira dos Caldeirões von oben nach unten durchqueren. Dabei werden wir Hindernisse wie Felsen und viele Wasserfälle in einer eindrucksvollen Natur durch Klettern, Springen und Rutschen überwinden.

Tourverlauf auf einen Blick

  • Gruppenfoto vor dem großen Wasserfall Cascata da Ribeira dos Caldeirões
  • 15 bis 20 Minuten Wanderung bis zur ersten Sicherheitseinweisung
  • Kurzer weiterer Aufstieg zur Einstiegsstelle und zweite Sicherheitseinweisung
  • Eine Zipline: Höhe: etwa 9 Meter – Länge: ca. 20 Meter
  • Eine Rutschpartie über einen glatten Felsen
  • Ein Sprung von einem ca. 2 Meter hohen Felsen
  • Abseilen von einem ungefähr 6 Meter hohen Felsen bei einem Wasserfall
  • Optional: ein Sprung vom einem 6 Meter hohen Felsen neben einem Wasserfall
  • Zwei erfahrene Guides und eine Gruppe, mit der man dieses besondere Erlebnis in großartiger Stimmung teilen kann

Diese Ausrüstung bekommst du für dein Abenteuer

  • 5 mm dicker Neoprenanzug mit Kapuze und zusätzlichen Neoprensocken
  • Canyoning-Schuhe
  • Helm
  • Canyoning-Gurtzeug mit Sicherheitsleinen, Karabiner mit Achterknoten und gepolstertem Schutz für das Gesäß

Zum Glück ist es trocken – so lässt sich der Neoprenanzug leichter anziehen. Mit 17 °C und bedecktem Himmel ist es am Morgen allerdings etwas frisch.

Gut zu wissen

  • Umziehen & Ausrüstung anlegen: am Rand des Parkplatzes
  • Es gibt keine Umkleideräume: für den Wechsel der persönlichen Kleidung können die Toiletten im Park genutzt werden.
  • Ringe vor der Tour abnehmen! Das Wasser ist kühl und diese könnten verloren gehen.
  • Wer Mascara trägt, sollte wasserfeste Produkte verwenden, sonst drohen Panda-Augen auf den Erinnerungsfotos.

Vor dem Start: Was du wissen solltest

Gegen 9:30 Uhr sind alle zwölf Teilnehmer umgezogen und haben ihre Ausrüstung angelegt. Unsere Gruppe besteht aus drei Pärchen, mir selbst und einer Familie mit drei Kindern: zwei davon im Teenageralter, der dritte ein neunjähriger Junge. Er ist der jüngste Teilnehmer unserer Runde.

Wir stellen uns im Halbkreis um unsere Guides Hugo und Guilherme auf. Uns wird mitgeteilt, dass die Karabiner während des Laufens am Metallring eingehakt bleiben sollen, um blaue Flecken oder Verletzungen durch herumfliegende Karabiner zu vermeiden. Außerdem werden wir gefragt, ob es gesundheitliche Beeinträchtigungen gibt.

Der Weg zum Einstieg: eine kurze Wanderung

Danach bekommen wir das Startzeichen – unsere Canyoning-Tour beginnt! Bevor wir zur Einstiegstelle wandern, machen wir vor dem großen Wasserfall ein Gruppenfoto. Da der Anbieter im Jahr 2023 keine Fotos oder Videos machen konnte, freue ich mich umso mehr, dass wir dieses Mal Aufnahmen von der Tour erhalten.

Nach ein paar Treppenstufen laufen wir hintereinander auf einem schmalen Pfad. Das Tempo ist zügig, und durch den leichten Anstieg beschleunigt sich meine Atmung. Bei jedem Schritt klirren die Karabiner an meinem Gurt. Das amerikanische Pärchen und ich laufen zusammen. Dank der gemeinsamen Fahrt haben wir schon eine kleine Gemeinschaft gebildet – ich bin also nicht allein auf dieser Tour.

  • Du möchtest Fotos und Videos von deiner Tour bekommen? Prüfe bei der Buchung, ob diese im Angebot enthalten sind. Falls du keine Informationen findest, frage nach.

Die grüne Umgebung ist atemberaubend: schulterhohe Farne, blühende Hortensien, Bäume und dichte Sträucher säumen den Weg. Die Blätter der Bäume neigen sich wie ein schützendes Dach zueinander und lassen nur wenige Sonnenstrahlen und Regentropfen durch.

Ich verstehe, warum dieser Pfad auch bei Wanderern so beliebt ist. Dennoch konzentriere ich mich lieber auf das Laufen: aus dem schlammigen Boden ragen Wurzeln und Steine.

Bis zur ersten Sicherheitseinweisung machen wir zwei kurze Pausen. Beim ersten Halt empfiehlt uns Guilherme, den Neoprenanzug zu öffnen, damit es nicht zu warm wird.

Ich lasse meinen geschlossen, für mich ist die Temperatur dieses Mal genau richtig. Im September 2023 war es schwüler, ich kam schneller ins Schwitzen und ich hatte das Angebot dankend angenommen. Beim zweiten Halt wird uns ein Ingwer- und ein Weihrauchbaum gezeigt, an dessen Blätter wir schnuppern dürfen.

Dann taucht ein dreiteiliger Wasserfall mit einem Wasserbecken davor auf. Wie schon beim letzten Mal versammeln wir uns zur ersten Sicherheitseinweisung auf dem Steinrand vor dem Wasserbecken.

Die Sicherheitseinweisung in der Schlucht

Trotz der Schönheit des Wasserfalls – eingebettet in eine kleine Schlucht und eingerahmt von grünen Hängen – konzentriere ich mich jetzt ganz auf unseren Guide Guilherme. Er erklärt uns während der Sicherheitseinweisung wie wir uns im Canyon zwischen den Wasserfällen verständigen:

Ankunft im Canyon – gleich geht’s los!

Nach der Sicherheitseinweisung gehen wir auf rutschigen Felsen zur anderen Seite des Wasserbeckens. Auch der letzte Teil bis zur Einstiegsstelle ist wieder schmal, schlammig und dicht bewachsen. Hier wenden wir das Gelernte gleich an: Wir helfen einander, reichen eine Hand und geben Hinweise weiter: "Pass auf deinen Kopf auf!", "Hier ist es rutschig!", "Möchtest du meine Hand nehmen?".

Kurz vor dem Einstieg entdecken wir zwischen den Bäumen einen weiteren Wasserfall. In der Nähe klettern wir nacheinander einen Hang hinunter und stützen uns dabei mit den Händen an Felsbrocken ab. Die erste Etappe ist geschafft.

Zufrieden stehen wir knöchel- bis knietief im Gebirgsbach, der sich dank der Ausrüstung, noch nicht kalt anfühlt. Wir genießen die dschungelartige Umgebung, auch wenn der eben gesichtete Wasserfall nun nicht mehr zu sehen ist.

Dieses Mal fühle ich mich deutlich besser: mir ist angenehm warm, auch das Laufen fällt mir leichter. Bei der Tour 2023 hatte ich an dieser Stelle das Gefühl, einen glühenden Kopf zu haben und die Wanderung empfand ich als sehr intensiv. Vielleicht liegt es am Wetter oder am regelmäßigen Joggen der letzten Monate.

Doch bevor das eigentliche Abenteuer beginnt, erhalten wir unsere zweite Sicherheitseinweisung.

Die zweite Sicherheitseinweisung

Da unser Guide Guilherme bereits einige Meter zuvor den Abhang hinuntergeklettert ist, um die Zipline vorzubereiten, übernimmt nun Hugo die zweite Sicherheitseinweisung.

Im Fokus steht der Umgang mit dem kurzen und dem langen Sicherungsseil. An jedem Seil befindet sich ein Karabiner, der durch das Auf- und Zuschrauben gesichert bzw. entsichert werden kann. Wird ein Sicherungsseil gerade nicht verwendet, bleibt der Karabiner offen – so kann das freie Seil im Notfall schnell eingehakt werden.

Nach der zweiten Sicherheitseinweisung verabschiedet sich Hugo kurz, um Guilherme bei den letzten Vorbereitungen der Zipline zu helfen. Die Vorfreude steigt! Währenddessen mischt sich die Gruppe, und wir beginnen uns zu unterhalten: Wer wir sind und woher wir kommen. Die Stimmung ist entspannt und es fühlt sich so langsam nach einem gemeinsamen Erlebnis an.

Die Zipline – dein erstes Canyoning-Highlight

Zwischen zwei große Felsen wurde ein langes Seil gespannt: zwanzig Meter Zipline warten auf uns. Gleich daneben rauscht ein Wasserfall in einen natürlichen Pool. Es ist das Wiedersehen mit dem Wasserfall, den wir kurz vor der Einstiegstelle gesehen haben.

Unser Guide Hugo fragt: „Wer möchte anfangen?“ Einer der Männer meldet sich sofort, und wir stellen uns der Reihe nach auf. Als wir zum Startplatz gehen, ruft uns der Familienvater lachend zu: „Meine Frau hat keine Ahnung, wofür sie sich hier angemeldet hat – sie hat nämlich Höhenangst.“ Nun sitzt sie in Startposition, um ihrem jüngsten Sohn hinterher zu rutschen, der schon unten wartet.

Für mich steigt die Vorfreude beim Zusehen. Da ich als Letzte rutsche, muss ich mich noch gedulden. Nun sitze auch ich auf einem neun Meter hohen Felsen und erhalte wie alle vor mir eine kurze Sicherheitseinweisung: Ich darf mich nur am eigenen Sicherungsseil festhalten und nicht an dem Seil, an dem ich gleich hinuntersause.

Damals war ich etwas aufgeregt – heute kann ich vor Freude kaum aufhören zu grinsen. Hugo startet seine Kamera, gibt mir einen leichten Schubs, und mit einem Jubelschrei sause ich nach unten. Das war ein fantastischer Auftakt. Mit einem Lächeln und leuchtenden Augen bestätigt mir auch die Mutter mit Höhenangst, dass es ihr gefallen hat.

Bis jetzt sind nur die Füße nass, doch das wird sich gleich ändern. Nach einigen Metern über Felsen und durch das Gebirgswasser der Schlucht erreichen wir schon unseren nächsten Wasserfall.

Die Felsen-Rutsche mit Wasserfall-Erlebnis

Wir stehen zwischen zwei Wasserfällen im Wasser und sind umgeben von hohen zerklüfteten und grün bewachsenen Felsen, traumhaft schön.

Als nächstes werden wir über einen Felsen ins Wasser rutschen. Zuerst gibt es die Sicherheitseinweisung und danach fragt Hugo: „Wer möchte als Erstes?“. Nachdem sich niemand meldet, melde ich mich. Unter Applaus der Gruppe steige ich über die rutschigen Felsen zum Wasserfall.

Wie ich es gerade erklärt bekommen habe: überkreuze ich nicht die Beine, sondern lege diese eng zusammen, dafür überkreuze ich die Arme.

Dann werde ich noch in die richtige Position gerückt und dieses Mal halte ich mir die Nase zu – um eine Schnappatmung wie im Jahr 2023 zu vermeiden. Das Rutschen ist viel zu schnell vorbei, gefühlt dauert es nur den Bruchteil einer Sekunde. Als ich aus dem Wasser wieder auftauche, gebe ich das Okay-Zeichen und rufe: „Oh Gott ist das kalt!“ – auch das hat sich zum letzten Mal nicht geändert, aber dieses Mal ohne Schnappatmung.

Nun bin ich definitiv nass. Ich schwimme auf die andere Seite des Wasserbeckens und warte glückselig auf die anderen Teilnehmer. Zum Glück erwärmt sich das Wasser in meinem Neoprenanzug wirklich und mir wird während des Wartens nicht kalt. Die Mutter rutscht dieses Mal vor ihrem Mann und den Kindern mit einem Jubelschrei ins Wasser. Unser jüngster Teilnehmer folgt gleich darauf, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Alle sind gerutscht und wir laufen zum nächsten Wasserfall.

Die nächste Aktivität müsste der Sprung vom Felsen sein. Ob ich mich richtig erinnere?

Ein Sprung ins Abenteuer

Meine Erinnerung war richtig. Jeder Sprung ist für mich ein Abenteuer und lässt mein Herz höherschlagen. Jedes Mal schwanke ich zwischen Freude und Nervosität. Der tosende Wasserfall fließt neben mir in das grüne Wasserbecken, in das ich gleich hineinspringen werde.

Was sich unter der Oberfläche befindet, bleibt mir verborgen. Das macht es so beruhigend und beunruhigend zugleich. Einige Felsen werden vom Wasserfall nicht überspült: das ist unsere Absprungkante. Hugo sitzt daneben und zeigt jedem Teilnehmer an der Absprungkante, wohin man mit einem weiten Sprung und angezogenen Knien springen soll.

Die beiden Söhne der Familie sind, ohne zu zögern gesprungen, nun ist die Mutter an der Reihe. Sie steht an der Felsenkante, atmet durch, dreht sich um und bricht ab. Das ist okay – niemand macht Druck. Bald bin ich an der Reihe, mal schauen, wie es mir dann geht.

Als es endlich so weit ist, stelle ich mich neben Hugo auf den ungefähr zwei Meter hohen Felsen und höre aufmerksam zu, wohin ich springen soll. Ich drehe mich zu Guilherme, der unser Spektakel filmt, winke mit einem breiten Lächeln in die Kamera und springe mit einem großen Schritt ins Wasser. Während des kurzen Flugs ziehe ich die Knie an und halte mir die Nase zu. Ich würde noch einmal springen, wenn ich könnte. Es hat wieder so viel Spaß gemacht und es war die ideale Höhe, um wieder ins Springen reinzukommen.

Alle Teilnehmer und die Guides sind durch einen Sprung ins Wasser unten angekommen. Unsere Teilnehmerin mit der Höhenangst hat einen großen Applaus und Jubel nach ihrem Sprung erhalten. Jetzt geht es weiter zum nächsten Abenteuer.

Mein Abseil-Moment vom sechs Meter hohen Felsen

Wir sind bei den drei Wasserfällen angekommen, vor denen wir unsere erste Sicherheitseinweisung erhalten haben. Nur jetzt befinden wir uns auf Höhe der Abbruchkante des Wasserfalls und sollen uns in das Wasserbecken abseilen.

Hugo zeigt uns die beste und sicherste Methode für das Abseilen: das Seil unterhalb des Sicherungsrings mit beiden Händen festhalten und die Handflächen leicht öffnen, damit das Seil etwas nachrutschen kann. Die Beine sollen fast waagerecht zur Felswand gehalten werden, um Schritt für Schritt hinunterzuklettern.

Ob es dieses Mal wieder so gut klappt wie in 2023? Hier habe ich mich das erste Mal in Eigenverantwortung von einem Felsen abgeseilt und es lieben gelernt. Wie die Mutter den Abstieg meistert, kann ich leider nicht sehen, weil ich zu weit entfernt bin. Als ich an der Reihe bin, schwanke ich zwischen Vorfreude und Anspannung. Ich werde gesichert und suche mir eine gute Startposition – auch für das Erinnerungsfoto. In sechs Metern Höhe, wie aus einem Fenster im zweiten Stock, beginne ich den Abstieg. Um mich herum wird es ganz still.

Hochkonzentriert suche ich mir den nächsten herausragenden Felsstein, als hätte die Natur eine Art Treppe in dem Felsen hinterlassen. Schritt für Schritt nähere ich mich dem Wasserbecken. Ich höre noch nicht einmal mehr das Rauschen des Wasserfalls.

Auf einmal erklingt die Titelmelodie von James Bond in meinen Ohren, die Hugo summt. Ich habe es geschafft und bin überglücklich. Diese Felswand ist ideal für Anfänger. Als alle Teilnehmer unten angekommen sind, machen wir ein Gruppenfoto vor dem Wasserfall und eine kleine Wasserschlacht. Für den Abschluss haben unsere Guides noch eine Überraschung für uns.

Die Überraschung zum Schluss: Noch ein Sprung!

Unsere Tour ist doch noch nicht vorbei: wer Lust hat, kann von einem sechs Meter hohen Felsen zu springen – es ist aber kein Muss! Ich bin total begeistert. Bei der letzten Tour war dieser Sprung nicht dabei. Wir müssen uns noch nicht entscheiden und können uns die Absprungstelle erst einmal ansehen.

Euphorisiert laufe ich mit den anderen zurück zum Parkplatz. Doch dieses Mal überqueren wir nicht die Straße, sondern biegen am großen Wasserfall ab, durchqueren die Brücke und folgen dem Wasserlauf noch ein Stückchen. Dann verlassen wir die Schlucht, steigen über eine kleine Mauer und gehen einen schmalen Pfad entlang.

Das Finale – der letzte große Sprung

Dieses Mal dürfen wir nur einen Schritt nach vorn machen und müssen die Arme überkreuzen, weil die Felswände relativ nah beieinanderstehen, erklärt Hugo. Und desto weiter wir springen, umso flacher wird das Wasser. Größere Personen könnten den Boden berühren, deswegen empfiehlt er nach dem Eintauchen ins Wasser die Beine anzuziehen. Nachdem wir alle Informationen haben, werden wir wieder gefragt: „Wer möchte springen?“. Bis auf die Mutter mit Höhenangst melden sich alle Teilnehmer, sogar unser Jüngster.

Die Frage der Fragen folgt: „Wer möchte zuerst?“ Einer der Männer war schneller als ich, also springe ich als Zweite und freue mich darauf.

Als ich an der sechs Meter hohen Felskante stehe, spüre ich ein freudiges Kribbeln im Bauch. Ich kann es kaum erwarten, wie an Weihnachten vor dem Geschenkeauspacken. Hugo richtet oben die Kamera auf mich und fragt: „Bist du bereit?“. Ich antworte mit einem breiten Grinsen: „Ich bin bereit!“. Guilherme ist unten im Wasser und filmt von dort.

Es wird bis drei gezählt, ich mache einen großen Schritt und tauche kurze Zeit später ins Wasser ein.

Mit einer Größe von 1,71 Meter erwarte ich nicht den Boden zu berühren, also lasse ich meine Beine ausgestreckt. Überraschenderweise spüre ich ganz leicht den Boden unter meinen Füßen. Dann tauche ich auf, gebe das Okay-Zeichen und juble vor Freude und Stolz. Es war der perfekte Abschluss.

Elf der zwölf Teilnehmer springen. Als alle unten angekommen sind, verlassen wir über die gegenüberliegende Treppe den Bereich und gehen zum Parkplatz zurück. Gegen 12:00 Uhr ist diese fantastische und abenteuerliche Tour zu Ende. Wir legen die Ausrüstung ab und tauschen den Neoprenanzug gegen unsere Kleidung.

Nach der Tour: Eis, Essen und Entspannen

Unsere Shuttle-Gruppe ist nun seit vier Stunden unterwegs und wir werden hungrig. Vor der Tour habe ich dem amerikanischen Pärchen von dem Eis – Quinta dos Açores – erzählt, das auf den Azoren hergestellt und im Souvenir-Shop des Parks verkauft wird. Uns bleiben noch 15 Minuten bis zur Abfahrt: auf zum Souvenir-Shop und Eis essen.

Zufrieden sitzen wir anschließend im Shuttlebus. Mittlerweile fühle ich mich leicht erschöpft, aber auch immer noch energiegeladen. Während der Fahrt nach Ponta Delgada unterhalten wir uns mit den Guides über das Canyoning auf Sao Miguel und ich habe schon die nächste Tour für den nächsten Urlaub auf der Insel im Visier: Salto do Cabrito.

Zurück in Ponta Delgada bin ich froh, dass mein Mann und ich eine Reservierung im Restaurant MICHEL haben, denn jetzt bekomme ich wirklich Hunger auf ein herzhaftes Gericht. Das Essen ist sehr köstlich, doch ich merke schnell, dass sich nun die Erschöpfung breitmacht: es wird Zeit für ein Schläfchen.

Mein Tipp für deinen perfekten Ausklang

Du bist mit dem Mietwagen am Park? Gönne dir nach der Canyoning-Tour noch etwas Zeit zum Erkunden des Parque Natural da Ribeira dos Caldeirões. Bringe ein Picknick mit oder genieße einfache Snacks wie Sandwiches im Café. Plane vorsichtshalber nach der Tour Zeit zum Ausruhen ein.

Das Video zur Canyoning-Tour

Damit du dir noch besser vorstellen kannst, was dich auf dieser Tour erwartet, habe ich dir ein kurzes Video mit einigen Highlights zusammengeschnitten.

Mein Fazit zu dieser Canyoning-Tour

Diese Tour war der perfekte Wiedereinstieg. Dass ich die Tour zum zweiten Mal gemacht habe, war kein Nachteil – ich konnte diese noch mehr genießen und Spaß haben. Beide Canyoning-Touren waren eine perfekte Kombination aus traumhaft schönen Naturerlebnissen mit vielen Wasserfällen und Abenteuern, fantastischen Guides und Teilnehmern. Als Einzelperson wurde ich schnell in die Gruppe integriert. Meine Highlights waren das Abseilen, der sechs-Meter-Sprung und die Mutter mit Höhenangst. Zu sehen, dass auch Personen mit Höhenangst an einer Canyoning-Tour Spaß haben können, hat mich total begeistert – meinen Mann konnte ich trotzdem noch nicht überzeugen.

Praktische Hinweise für deine Planung

  1. Englischkenntnisse sind notwendig
  2. Eine Grundfitness ist empfehlenswert
  3. Je nach Fitnesslevel sollte nach der Tour eine Pause eingeplant werden

12 Tipps für deine Canyoning-Tour auf São Miguel

Hast du jetzt auch Lust auf Canyoning? Oder fehlt dir noch eine Info, um dich zu entscheiden? Schreib mir gerne in die Kommentare!

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