Canyoning auf São Miguel: Abenteuer in der Ribeira dos Caldeirões

Canyoning auf São Miguel: Abenteuer in der Ribeira dos Caldeirões

Mein Erfahrungsbericht mit Tipps & Informationen zur Tour

Mit einem breiten Grinsen und einem Kribbeln im Bauch stehe ich auf einem sechs Meter hohen Felsen. Neben mir rauscht ein Wasserfall in das dunkelgrüne glitzernde Wasserbecken, in das ich gleich hineinspringen darf. Diese Canyoning-Tour ist nicht neu für mich, dieser Sprung allerdings schon. Die Felsen stehen nah beieinander kommen etwa Zweifel auf oder hilft mir das Adrenalin bei diesem Sprung?

Im letzten Jahr bot sich keine Gelegenheit zum Canyoning, deshalb fiel die Entscheidung zum zweiten Mal auf diese Einsteiger-Tour. Ob sich diese Tour diesmal anders anfühlt als im September 2023? Ein weiterer Grund ist die atemberaubend schöne Schlucht mit ihren vielen Wasserfällen und der dschungelartigen Landschaft. Canyoning in der Ribeira dos Caldeirões ist ein Abenteuer mit Rutscherlebnissen, Sprüngen von Felsen und dem Abseilen an einem Wasserfall.

Alle Angaben beziehen sich auf die Erfahrungen von Juni 2025.

"Canyoning: Der erste Sprung, das erste Rutschen über glatte Felsen, das Abseilen an Wasserfällen – all das ist jedes Mal aufs Neue aufregend für mich und ich habe großen Spaß daran."

Wo findet die Canyoning-Tour auf São Miguel statt?

Die Canyoning-Tour findet im Nordosten der Insel zwischen Wasserfällen in einer grünen Schlucht mit zerklüfteten Felsen statt. Morgens um 8:00 Uhr holt mich der Shuttle-Bus des Anbieters von meinem Hotel ab. Diesen komfortablen Service nutzt auch ein amerikanisches Pärchen, das ich während der Fahrt kennenlerne.

  • Treffpunkt am Parque Natural da Ribeira dos Caldeirões

  • Fahrzeit mit dem Auto ab Ponta Delgada etwa 45 Minuten

  • Kostenlose Parkplätze am Park

  • Shuttle-Service durch den Anbieter Fun Activities: ab Ponta Delgada für 15 € (Hin- und Rückfahrt, pro Person, zzgl. lokaler Mehrwertsteuer)

Begleitpersonen, die nicht an einer Tour teilnehmen, können währenddessen durch den Park spazieren: die alten Wassermühlen und die wunderschönen Wasserfälle erkunden. Ab Juni beginnen die Hortensien zu blühen, deren Blüten handballgroß werden. Dieser Park ist eine beliebte Sehenswürdigkeit auf São Miguel, auch bei den Einheimischen. Es gibt Sitzgelegenheiten für ein Picknick, Toiletten, ein Café, außerdem einen Souvenir-Shop, in dem das leckere Eis von Quinta dos Açores verkauft wird.

Was erwartet dich bei dieser Canyoning-Tour?

Canyoning ist eine Outdoor-Aktivität, die bei Sonne und Regen in einer wassergeführten Schlucht – einem sogenannten Canyon – stattfindet. Zwei erfahrene Guides führen die Gruppe in spezieller Kletterausrüstung durch den Canyon Ribeira dos Caldeirões, der von oben nach unten durchquert wird. Dabei werden natürliche Hindernisse – zu denen sowohl Felsen als auch Wasserfälle zählen – durch Klettern, Springen und Rutschen überwunden.

Tourverlauf auf einen Blick

  • Tourbeginn 9:00 Uhr
  • Gruppenfoto vor dem Wasserfall Cascata da Ribeira dos Caldeirões
  • Etwa 20-minütige Wanderung bis zur ersten Sicherheitseinweisung
  • Kurzer Aufstieg zur Einstiegsstelle
  • Zweite Sicherheitseinweisung
  • Zipline: etwa 9 Meter hoch; 20 Meter lang
  • Über einen glatten Felsen rutschen
  • Sprung: etwa 2 Meter hoch
  • Abseilen: etwa 6 Meter hoch
  • Optionaler Sprung: etwa 6 Meter hoch

Die Ausrüstung für dein Abenteuer

  • 5 mm dicker Neoprenanzug mit Kapuze
  • Neoprensocken
  • Canyoning-Schuhe
  • Helm
  • Canyoning-Gurtzeug mit Sicherheitsseilen, Karabiner mit Achterknoten und gepolstertem Schutz für das Gesäß

Gut zu wissen

  1. Es gibt keine Umkleideräume: Umziehen & Anlegen der Ausrüstung erfolgt am Rand des Parkplatzes
  2. Es gibt Toiletten im Park
  3. Ringe vor der Tour abnehmen! Diese könnten im kalten Wasser verloren gehen.
  4. Englischkenntnisse sind notwendig, um die Sicherheitseinweisungen und den Ablauf zu verstehen.

Vor dem Start: Was du wissen solltest

Gegen 9:30 Uhr haben alle zwölf Teilnehmer die Canyoning-Ausrüstung angelegt. Unsere Gruppe besteht aus drei Paaren, mir sowie einer Familie mit drei Kindern: zwei im Teenageralter, der dritte ist ein neunjähriger Junge. Für die erste kurze Einweisung stellen wir uns im Halbkreis um die Guides Hugo und Guilherme auf:

  1. Um blaue Flecken oder Verletzungen zu vermeiden, bleiben die Karabiner der Sicherungsseile während des Laufens am Metallring eingehakt,
  2. Es wird nach gesundheitlichen Beeinträchtigungen gefragt

Danach bekommen wir das Startzeichen – die Canyoning-Tour beginnt! Vor der Wanderung zur Einstiegsstelle wird unsere Gruppe vor dem großen Wasserfall fotografiert. Vom Anbieter der Tour im September 2023 gab es keine Fotos oder Videos, darum freue ich mich umso mehr über die Aufnahmen von dieser Tour.

  • Du möchtest Fotos und Videos von deiner Tour bekommen? Prüfe bei der Buchung, ob diese im Angebot enthalten sind.

Die kurze Wanderung zur Sicherheitseinweisung

Ich laufe mit dem amerikanischen Paar zusammen, das mit mir im Shuttle-Bus gefahren ist. Durch den leichten Anstieg auf dem schlammigen Boden beschleunigt sich meine Atmung, während die Karabiner am Gurt bei jedem Schritt klirren. Mein Blick schweift immer wieder durch diese wunderschöne Landschaft, dabei sollte ich lieber aufpassen, nicht über eine herausragende Wurzel oder einen Stein zu stolpern. Zurecht ist dieser Pfad auch bei Wanderern sehr beliebt: schulterhohe Farne, blühende Hortensien, Bäume und dichte Sträucher säumen den Weg.

Unterwegs werden zwei kurze Pausen gemacht. Erst empfiehlt Guilherme, den Neoprenanzug zu öffnen, falls es zu warm ist; beim zweiten Halt schnuppern wir an den Blättern eines Ingwer- und Weihrauchbaums. Danach ist es nicht mehr weit, bis die Gruppe am Wasserbecken eines Wasserfalls die erste Sicherheitseinweisung erhält. Uns wird erklärt, wie wir uns zwischen rauschenden Wasserfällen verständigen, wenn die Guides nach einem Sprung oder dem Rutschen nicht mehr in unserer Nähe sind. Außerdem gibt es noch mehr zu beachten.

Gut zu wissen

Ankunft im Canyon – gleich geht’s los!

Nach der Sicherheitseinweisung gehen wir über rutschige Felsen zur anderen Seite des Wasserbeckens, dabei wird – auch auf dem Pfad zur Einstiegsstelle – das Gelernte gleich angewendet: „Hier ist es rutschig!", "Möchtest du meine Hand nehmen?", "Pass auf deinen Kopf auf!". Kurz vor dem Einstieg in den Canyon klettert die Gruppe einen Hang hinunter, währenddessen stützt sich jeder mit den Händen an Felsbrocken ab. Zufrieden stehen wir knöchel- bis knietief im Gebirgsbach der grünen Schlucht.

Nun wird es Zeit für die zweite Sicherheitseinweisung, bevor das eigentliche Abenteuer beginnt. Unser Guide Hugo erklärt uns den Umgang mit dem kurzen sowie dem langen Sicherungsseil, die beide am Gurtzeug befestigt sind. An jedem Seil ist ein Karabiner befestigt, der durch das Auf- und Zuschrauben gesichert bzw. entsichert wird. Ein nicht genutzter Karabiner bleibt dabei immer offen, um im Notfall – als zusätzliche Sicherung – schnell eingehakt zu werden.

Danach verabschiedet sich Hugo, um Guilherme bei den letzten Vorbereitungen der Zipline zu helfen.

Die Zipline – das erstes Canyoning-Highlight

Zwischen zwei Felsen wurde ein langes Seil gespannt – eine zwanzig Meter lange Zipline. Hugo fragt: „Wer möchte anfangen?“ Einer der Männer meldet sich sofort. Die restliche Gruppe stellt sich hintereinander auf; dabei ruft der Familienvater lachend zu uns herüber: „Meine Frau hat keine Ahnung, wofür sie sich hier angemeldet hat – sie hat nämlich Höhenangst.“ Bei mir ist dieses Mal die Anspannung der Vorfreude gewichen.

Nun sitze ich neben einem Wasserfall in der Startposition auf dem neun Meter hohen Felsen. Hugo erklärt mir: „Du darfst dich nur am eigenen Sicherungsseil festhalten, auf keinen Fall an dem Seil, an dem du gleich hinunterrutschst“ – okay, verstanden. Er startet seine Kamera und gibt mir einen leichten Schubs. Wie bei den anderen Teilnehmern wird auch meine Rutschpartie von einem Jubelschrei begleitet – ein fantastischer Auftakt, sogar für die Mutter mit Höhenangst.

Bis jetzt sind nur unsere Füße nass, doch das wird sich gleich ändern.

Die Felsen-Rutsche mit Wasserfall-Erlebnis

Unsere Gruppe läuft einige Meter über rutschige Felsen durch kaltes Gebirgswasser zu einer natürlichen Wasserrutsche. Zwischen zwei Wasserfällen gibt es erst die Sicherheitseinweisung, dann fragt Hugo: „Wer möchte als Erstes?“ Ich melde mich mit großer Vorfreude sofort und gehe unter Applaus der Gruppe zu einem Felsen, der von einem Wasserfall überspült wird. Hugo korrigiert auf dem glatten Felsen meine liegende Position für den Start – danach: Arme überkreuzen, Beine eng zusammenlegen – fertig zum Rutschen.

Ach, fast vergessen: Nase noch zuhalten – um eine Schnappatmung wie bei der Tour 2023 zu vermeiden. Wenige Sekunden später tauche ich sehr glücklich und ohne Schnappatmung aus dem Wasser auf, gebe das Okay-Zeichen und rufe: „Oh Gott, ist das kalt!“ Auf der anderen Seite des Wasserbeckens warte ich durchnässt auf die anderen Teilnehmer; glücklicherweise erwärmt sich das Wasser in meinem Neoprenanzug schnell. Nachdem alle gerutscht sind, laufen wir – ohne dass mir kalt ist – zum nächsten Wasserfall.

Ob meine Erinnerung richtig ist, dass als Nächstes der Sprung vom Felsen kommt?

Ein Sprung ins Abenteuer

Meine Erinnerung war richtig: Nacheinander springen wir von einem etwa zwei Meter hohen Felsen. Hugo sitzt bereits neben der Absprungkante, die nicht vom tosenden Wasserfall überspült wird, um jedem Teilnehmer vor dem Sprung eine Sicherheitseinweisung zu geben. Vor mir steht die Mutter mit Höhenangst an der Felsenkante – sie atmet tief durch, dreht sich um und geht zurück; das ist vollkommen okay. Jeder Sprung löst auch in mir Gefühle zwischen Vorfreude und Nervosität aus.

Dann bin ich dran und stehe neben Hugo auf dem Felsen. Mir wird erklärt, wie mein Sprung ablaufen soll: ein großer Schritt von der Felskante, dann die Knie anziehen. Wenige Sekunden später tauche ich mit zugehaltener Nase ins eiskalte Wasser ein – einfach fantastisch, diese Absprunghöhe war zum Start ideal für mich. Alle Teilnehmer kommen mit ihrem Sprung gut unten an – sogar unsere Teilnehmerin mit Höhenangst, die für ihren Mut großen Applaus und Jubel erhält.

Gemeinsam waten wir durch die grüne Schlucht zum nächsten Abenteuer.

Mein Abseil-Moment vom sechs Meter hohen Felsen

Von der Abbruchkante neben dem Wasserfall, vor dem wir unsere Sicherheitseinweisung erhalten haben, soll sich die Gruppe nacheinander selbstständig abseilen. Hugo zeigt uns, wie das geht: das Seil unterhalb des Sicherungsrings mit beiden Händen festhalten, dann die Handflächen leicht öffnen, damit das Seil nachrutschen kann. Die Beine sollen fast waagerecht zur Felswand gehalten werden, um Schritt für Schritt hinunterzuklettern. Im September 2023 hat das Abseilen fantastisch geklappt und Spaß gemacht – hoffentlich wird es heute wieder so gut.

An der Felskante halte ich mich gesichert am Seil fest und drücke die Füße gegen die unebene Felswand. Nach dem Erinnerungsfoto beginnt der Abstieg aus sechs Metern Höhe, was etwa der Höhe eines zweiten Stockwerks entspricht. Um mich herum wird es ganz still – noch nicht einmal das Rauschen des Wasserfalls ist zu hören. Hochkonzentriert setze ich einen Fuß nach dem anderen auf den nächsten herausragenden Felsstein, als hätte die Natur eine Treppe in dem Felsen hinterlassen.

Auf einmal erklingt die Titelmelodie von James Bond in meinen Ohren, Hugo summt sie. Überglücklich erreiche ich das Wasserbecken – diese Felswand ist wirklich ideal für Anfänger. Wie die Mutter ihren Abstieg gemeistert hat, konnte ich nicht sehen, aber alle Teilnehmer sind sicher und gut gelaunt unten angekommen. Zum Abschluss werden vor dem Wasserfall ein Gruppenfoto und eine kleine Wasserschlacht gemacht – doch das ist noch nicht das Ende der Tour.

Die Überraschung zum Schluss: Noch ein Sprung!

Unsere Guides haben eine Überraschung für uns: ein – optionalerSprung von einem sechs Meter hohen Felsen! Ich bin total begeistert, denn dieser Sprung war bei der letzten Tour nicht dabei. Wir laufen zum Parkplatz zurück, durchqueren aber die Brücke und stehen kurze Zeit später auf einem Felsen, der sich gegenüber von einer alten Wassermühle befindet. Auch vor diesem Sprung gibt es eine Sicherheitseinweisung.

Es darf nur ein Schritt gemacht werden: Je weiter man springt, desto flacher wird das Wasser. Die Arme werden überkreuzt, weil die Felswände nah beieinanderstehen; größere Personen sollten beim Eintauchen ins Wasser die Beine anziehen. Hugo fragt: „Wer möchte springen?“. Bis auf die Mutter mit Höhenangst melden sich alle Teilnehmer. Als gefragt wird, wer zuerst springen möchte, meldet sich einer der Männer schneller – somit springe ich als Zweite.

An der Felskante stehend, wandert mein Blick mit einem freudigen Kribbeln im Bauch hinunter zum Wasserbecken. Hugo richtet die Kamera auf mich und fragt: „Bist du bereit?“ – „Ich bin bereit!“ antworte ich mit einem Lächeln. Es wird bis drei gezählt, ich mache einen Schritt nach vorn und tauche mit ausgestreckten Beinen ins Wasser ein. Bei einer Körpergröße von 1,71 Meter überrascht es mich, sanft den Boden mit meinen Füßen zu berühren. Nach dem Auftauchen gebe ich das Okay-Zeichen und juble vor Freude und Stolz – es ist der perfekte Abschluss.

Gegen 12:00 Uhr ist diese fantastische und abenteuerliche Tour zu Ende. Wir legen am Parkplatz die Ausrüstung ab und tauschen den Neoprenanzug gegen unsere Kleidung.

Nach der Tour: Eis, Essen und Entspannen

Unsere Shuttle-Bus-Gruppe ist nun seit vier Stunden unterwegs und der Hunger meldet sich. Im Souvenir-Shop kaufen wir uns ein Eis von Quinta dos Açores. Während der Fahrt nach Ponta Delgada spüre ich langsam die Erschöpfung. Glücklicherweise hält mich die interessante Unterhaltung mit unseren Guides über das Canyoning auf São Miguel wach. Für den nächsten Urlaub auf der Insel habe ich bereits die nächste Tour im Visier: Salto do Cabrito.

Mein Tipp: Du bist mit dem Mietwagen am Park? Erkunde nach der Canyoning-Tour den Parque Natural da Ribeira dos Caldeirões und bringe ein Picknick mit oder genieße einfache Snacks wie Sandwiches im Café. Plane Zeit zum Ausruhen ein.

Das Video mit meinen Canyoning-Highlights

Mein Fazit zu dieser Canyoning-Tour

Diese Tour war der perfekte Wiedereinstieg – mit Highlights wie dem Abseilen oder dem Sprung aus sechs Metern Höhe. Dass ich diese Tour zum zweiten Mal gemacht habe, war kein Nachteil – ich konnte sie noch mehr genießen. Als Einzelperson wurde ich schnell in die Gruppe integriert. Beide Canyoning-Touren waren eine perfekte Kombination aus traumhaft schönen Naturerlebnissen mit vielen Wasserfällen und Abenteuern, fantastischen Guides und Teilnehmern.

7 Tipps für deine Canyoning-Tour auf São Miguel

Hast du jetzt auch Lust auf Canyoning? Oder fehlt dir noch eine Info, um dich zu entscheiden? Schreib mir gerne in die Kommentare!

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