ATV-Tour auf São Miguel: Offroad zum Vulkan Sete Cidades

ATV-Tour auf São Miguel: Offroad zum Vulkan Sete Cidades

Mein Erfahrungsbericht mit Tipps & Informationen zur Tour

Der Motor dröhnt, die Sonne scheint, mein Herz schlägt schneller. Voller Vorfreude und ein bisschen angespannt sitze ich neben meinem Mann Marco in unserem Buggy. Werden wir endlich die spektakulären Kraterseen des Vulkans Sete Cidades sehen? Wird dieses Abenteuer die ATV-Tour vom September 2023 übertreffen?

Eine Tour zu buchen, ohne die Wettervorhersage zu prüfen, war damals unser Fehler. Während der Fahrt durch eine mystische Landschaft mit tiefhängenden grauen Wolken und abenteuerlichen Offroad-Strecken, prasselte der Regen unaufhörlich auf uns. Das schlechte Wetter reduzierte den Spaßfaktor, außerdem war nichts als eine graue Wand aus Wolken zu sehen. Aber heute Nachmittag, an diesem 19. Juni 2025, soll es in Sete Cidades sonnig und trocken werden.

Alle Angaben beziehen sich auf die Erfahrungen von Juni 2025.

Offroad durch grüne Vulkanlandschaften:
grüne Hügel, schroffe Küsten & die Kraterseen des Vulkans Sete Cidades

Eine ATV-Tour (All-Terrain Vehicle) ist eine tolle Möglichkeit, São Miguel auf eine besondere Art zu entdecken. Mit geländegängigen Fahrzeugen – entweder auf einem Quad oder in einem Buggy – wird sowohl auf asphaltierten Straßen als auch auf Offroad-Pisten gefahren. In einer Gruppe mit bis zu 20 ATVs führt die Route in den Nordwesten der Insel. Bei gutem Wetter sind grüne Hügel, malerische Felder, und das Highlight dieser Tour: spektakuläre Aussichtspunkte am Vulkan Sete Cidades zu sehen.

Das sind die Ziele der ATV-Tour:

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Dauer der Halbtagstour: 3 – 4 Stunden
  • Tour-Start: 8:30 Uhr oder 13:30 Uhr
  • Preis: 80 € pro Person (zzgl. lokaler Mehrwertsteuer)
  • Treffpunkt: Ponta Delgada
  • Beste Zeit: ganzjährig dank mildem Klima → Wettervorhersage prüfen
  • Wettercheck: Windy-App + Webcam
  • Gut zu wissen: Englischkenntnisse sind notwendig

Treffpunkt & Anreise

ANC Headquarters
Rua Eng. Alberto Rodrigues 11-13
Relva, Ponta Delgada, Azoren
9500-435

  • Entfernung
     ca. 5 Autominuten vom Flughafen Ponta Delgada

  • Mit dem Taxi (auch per App: Taxi-Link) oder dem Fahrservice Bolt ist der Treffpunkt vom Hotel in Ponta Delgada gut erreichbar.
  • Mietwagen: Kostenlose Parkplätze stehen in der Nähe zur Verfügung.

Bevor das ATV-Abenteuer beginnt

Mit dem Fahrservice Bolt fahren wir von unserem Hotel in Ponta Delgada in ein Industriegebiet, das etwa fünf Minuten vom Flughafen entfernt liegt. Vor der offenen Lagerhalle stehen bereits zwei Buggys sowie ein Quad bereit – bei der Tour 2023 waren es vier Buggys und ein Quad. Auf dieser Nachmittagstour begleiten uns zwei amerikanische Paare, mit denen wir uns sofort gut verstehen. Zuerst werden die Teilnehmer herzlich von Luís, unserem Guide, begrüßt, danach folgt der Papierkram:

  • Führerscheine prüfen
  • Haftungserklärung unterschreiben
  • Die Kaution von 500 € mit der Kreditkarte hinterlegen

Nach dem organisatorischen Teil steigen wir in unseren Buggy. Beim Anschnallen fällt uns auf, dass die Gurte noch feucht sind. Die Vormittagstour muss trotz des Dachs ziemlich viel Regen abbekommen haben – hoffentlich behält die Wetter-App recht.

Die Sicherheitseinweisung

Bevor die Tour beginnt, erhält jedes Paar von Luís eine kurze Einweisung zum Umgang mit dem ATV.

  1. Motor starten: Zündschlüssel erst halb, dann ganz umdrehen.
  2. Schaltung: Die Automatik wird in den Sport-Modus gestellt.
  3. Reihenfolge: Unsere Position in der Kolonne ist hinter dem Quad und vor dem anderen Buggy.
  4. Anhalten: Immer an geeigneten Stellen rechts ranfahren, damit: schnellere Fahrzeuge überholen und Fahrer sich z.B. den Staub aus den Augen wischen können.

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Neben uns dröhnt bereits der andere Buggy – gleich geht’s los! Marco wird den ersten Teil der Tour fahren. Doch später wird es noch aufregender für mich, denn ich werde zum ersten Mal selbst einen Buggy fahren.

Tourstart: Mit dem Buggy ins Abenteuer

Marco dreht den Zündschlüssel um: Der Motor dröhnt. Bei Sonnenschein geht’s nach einem ruckartigen Anfahren erst durch ein kleines Wohngebiet mit pastellfarbenen Einfamilienhäusern am Stadtrand von Ponta Delgada. Nach etwa 15 Minuten stehen nur noch einzelne Farmhäuser an der schmalen asphaltierten Straße, auf der uns ein Milchlaster und ein Traktor begegnen. Die Route führt abseits der Touristenpfade entlang, mit Wildblumen am Straßenrand, grünen Hügeln und Kuhweiden, die viele Hektar groß sein müssen.

Feiner Staub wirbelt auf und setzt sich trotz der Sonnenbrillen in unsere Augen. Wir blinzeln, um die feinen Staubkörner loszuwerden. Dabei fällt uns auf, dass wir schon jetzt mehr von der Umgebung sehen als während der gesamten Tour von 2023. Trotz der Sonne fühlt sich der Fahrtwind überraschend kühl an – zum Glück ist meine Regenjacke griffbereit im Rucksack, sodass ich sie gleich überziehe.

Pause mit Kühen und Aussicht

Die ATVs parken wir am Straßenrand, öffnen das Sicherheitsnetz und steigen aus. Zwischen Bergen und Meer grasen Kühe hinter einer hüfthohen Steinmauer auf einer grünen Weide. In der Ferne brechen die Wellen an den Steilklippen. Kleine weiße Punkte zwischen den Feldern verraten, dass dort Häuser stehen.

Keine Autos, keine Wanderer – nur wir auf einer Landstraße irgendwo im Nirgendwo zwischen dem Städtchen Capelas und dem Vulkan Sete Cidades. Unser Guide erzählt der Gruppe, dass die Azoren zu den bedeutendsten Milchproduzenten Europas gehören.

Hier gibt es ein Sprichwort: „Auf jeden Einwohner kommt eine Kuh.“ Dementsprechend müsste es auf São Miguel über 137.000 Kühe geben.

Auch wenn wir hier noch ewig stehen könnten, geht die Tour weiter. Jetzt sitze ich hinter dem Steuer, drehe den Zündschlüssel um – der Motor startet. Um loszufahren, muss ich kräftig aufs Gaspedal treten – auch ich fahre sehr ruckartig an. Während der Fahrt fühlt sich der Buggy selbst auf engen und kurvenreichen Straßen erstaunlich stabil an.

  • Probiere das Eis von Quinta dos Açores – nachdem ich gesehen habe, wie gut es den Kühen hier geht, schmeckt es mir noch besser.

Ungeplante Touränderung

Nach sehr kurzer Zeit stoppen wir erneut am Straßenrand: Luís kann mit seinem Fahrzeug nicht weiterfahren und steigt bei uns ein. Während ich nun die Führung übernehme, behält unser Guide vom Rücksitz die restliche Gruppe im Blick. Das Fahren auf den kurvenreichen Straßen macht richtig Spaß; gleichzeitig gibt mir der Buggy ein sicheres Gefühl. Diese Route ist eine Traumroute, aber eine andere als im September 2023.

Auf dieser Strecke sind deutlich mehr Autos unterwegs, und es gibt weniger Offroad-Pfade. Aus Sicherheitsgründen musste die Strecke angepasst werden, weil die bisherige Route für Fahrer ohne Erfahrung zu anspruchsvoll war. Auf einmal erkenne ich den Parkplatz zu dem wunderschönen Aussichtspunkt Miradouro Grota do Inferno des Vulkans Sete Cidades wieder. Aufgeregt frage ich Luís, ob wir hier parken; doch er antwortet nur: „Wir fahren weiter.“ – diese Weiterfahrt lohnt sich!

  • Auf dieser Strecke ist der Höhenunterschied spürbar – trotz der Regenjacken ist uns kalt. Einen zusätzlichen Pullover haben wir leider nicht eingepackt.

Traumaussicht auf die Vulkanlandschaft Sete Cidades

Wenig später parke ich den Buggy am Straßenrand in der Nähe des Aussichtspunkts Miradouro da Vista do Rei. Wir steigen aus, klettern über ein hüfthohes Holzgeländer und bleiben auf einer kleinen, plattgetrampelten Rasenfläche stehen. Die Wetter-App hat tatsächlich recht behalten! Es ist ein traumhaftes Postkartenmotiv in einer Höhe von rund 650 Metern.

  • Kamera oder Smartphone bereithalten – dieser Ausblick ist spektakulär!

Die Entstehung des beeindruckenden Vulkankraters Sete Cidades begann vor etwa 36.000 Jahren. Diese spektakuläre Landschaft mit dem größten See der Azoren – der Lagoa das Sete Cidades – hat sich durch einen Vulkanausbruch im Jahr 1445 gebildet. Eine Bogenbrücke teilt ihn in zwei Seen mit unterschiedlichen Farben: Lagoa Verde – der grüne See – und Lagoa Azul – der blaue See. Wenn das Sonnenlicht auf die üppige Vegetation der bis zu 500 Meter hohen Kraterwände trifft, leuchtet einer der Seen in karibischem Grün.

Rundherum erhebt sich der fast kreisförmige, zwölf Kilometer lange Kraterrand, der die Seen sowie das kleine Städtchen Sete Cidades umschließt. Für mich zählt dieser Ort zu den schönsten Sehenswürdigkeiten auf São Miguel; zudem gehört er zum UNESCO Global Geopark der Azoren. Nach etwa zwanzig Minuten wird unserem Guide ein neues Fahrzeug gebracht – die Tour setzen wir nun in der ursprünglichen Reihenfolge fort. Jetzt übernimmt wieder Marco das Steuer.

  • Der Vulkan Sete Cidades zählt zu den aktiven, jedoch derzeit ruhenden Vulkanen der Insel.

Offroad zum blauen See - Lagoa Azul

Der Ausblick auf die Seen war schon traumhaft schön, doch jetzt geht es in den Krater an den blauen See – den Lagoa Azul. Marco fährt über die Einbahnstraße am Aussichtspunkt Miradouro da Vista do Rei vorbei und weicht Fußgängern auf der Straße aus. An der Bogenbrücke biegen wir auf die Offroad-Strecke ab – doch auch am Ufer des blauen Sees sind Fußgänger unterwegs, deshalb wird gebremst. In den Schlaglöchern entlang der Strecke haben sich Pfützen gebildet, sodass uns der Matsch entgegenspritzt – was für ein Spaß!

Auf einem Schotterparkplatz werden die ATVs geparkt; nun sind wir mitten im Kraterkessel des Vulkans Sete Cidades. Doch dieser Anblick lässt uns das vergessen: Die steilen grünen Kraterwände sind mit Azoren-Wacholder, Stechpalmen und japanischer Zeder bedeckt. Sobald die Sonnenstrahlen auf die Wasseroberfläche des blauen Sees treffen, schimmert dieser türkis-grün. Während der Tour 2023 hingen die Wolken so tief, dass nicht einmal der Kraterrand zu sehen war; auch das Wasser wirkte dunkelblau-grau.

Kaffeepause am Lagoa Azul

Als Beifahrerin hat die Offroad-Strecke schon Spaß gemacht, doch selbst über die staubige Piste und durch Pfützen zu fahren, erhöht den Spaßfaktor noch einmal. Von der Offroad-Strecke biegen wir auf die Bogenbrücke ab, um zum Green Love Restaurant zu kommen, das wir bereits von der Tour 2023 kennen. Es ist ein Ausflugslokal mit Plastikstühlen und Selbstbedienung, ideal für eine kurze Pause: Toilette aufsuchen, einen Kaffee trinken und Snacks essen. Mit Tabletts in der Hand, auf denen wir unsere Kaffees auf die Terrasse hinaustragen, sucht unsere Gruppe nach einem Tisch, an dem alle Platz finden.

Ausgelassen unterhalten wir uns und lachen, bis Luís uns gegen 16 Uhr das Zeichen gibt: Die Tour geht weiter – zum grünen See.

Offroad zum grünen See - Lagoa Verde

Vom Café fahre ich zum grünen See – dem Lagoa Verde – und weiche auf der Offroad-Strecke keiner Pfütze aus. Für Spaziergänger wird natürlich wieder gebremst: manche werfen uns einen bösen Blick zu, andere lächeln. Können sie den Fahrspaß nachvollziehen, oder ist mein breites Lächeln ansteckend? Mit großem Abstand ist das Quad vor uns, keine Spaziergänger sind zu sehen, der andere Buggy liegt weit hinter uns – das ist der perfekte Moment.

Ich gebe Gas, wodurch die nächste Portion Matsch auf uns landet – es macht wirklich Spaß. Als wir die anderen Teilnehmer wiedersehen, sprechen sie uns auf den Matsch auf unserer Kleidung an. Jacken, Hosen, Sonnenbrillen und Gesichter sind mit Matschspritzern bedeckt. Zum Glück tragen wir Kleidung, die schmutzig werden darf.

Vom kleinen Kieselstrand blicke ich auf den langgestreckten See. Sobald die Sonne strahlt, leuchtet der Lagoa Verde grün-türkis wie das Meer in der Karibik. Hier zu stehen, auf das ruhige Wasser mit den umliegenden grünen Hängen zu schauen, ist malerisch und beruhigend zugleich. Der Kontrast zur gerade erlebten Matschfahrt könnte größer nicht sein.

Rückfahrt nach Ponta Delgada

Gegen 16:30 Uhr fahren wir ohne einen Zwischenstopp nach Ponta Delgada zurück. Nun sitzt wieder Marco am Steuer. Er fährt vorsichtiger durch die Pfützen, damit wir nicht noch schmutziger werden. Vom Beifahrersitz genieße ich die Landschaft und freue mich über diese abenteuerliche Tour mit spektakulären Ausblicken.

Das Video mit unseren Highlights der Tour

Fazit: Unser ATV-Erlebnis auf São Miguel

Die Tour, mit vorherigem Wettercheck, ein zweites Mal zu machen, war perfekt! Die Ausblicke und die Natur waren spektakulär – besonders am Kraterrand von Sete Cidades und beim Halt „irgendwo im Nirgendwo“ neben der Kuhweide. Das Fahren des Buggys macht riesigen Spaß, vor allem die Offroad-Passagen entlang der Seen waren ein echtes Highlight. Allerdings sind die ATVs sehr laut, vergleichbar mit Motorrädern – daher ist die Halbtagestour für uns ideal.

Der Veranstalter hat bereits geprüft, ob Elektrofahrzeuge eine Alternative wären. Die aktuellen Modelle bieten noch nicht ausreichend Reichweite für das Tourenangebot. Auf jeden Fall ist diese Tour bei gutem Wetter ein fantastisches Erlebnis für alle, die Abenteuer lieben.

6 Tipps für dein ATV-Abenteuer auf São Miguel

Hast du Lust auf dein eigenes Buggy-Abenteuer? Hast du noch Fragen oder eigene Erfahrungen, die du teilen möchtest? Schreib mir gerne in die Kommentare!

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